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2015-08-03

Centuria I, Experimentum 31: Orte und Jahre: Prag 1356

Ausschnitte aus hck: "Philosophie der Renaissance": Teil 2

Hier nur die nächsten Exzerpte aus meinem Einführungsband zur Philosophie der Renaissance (zu welchem siehe hier und hier). Mehr Informationen zu Textstand und Kontext gibt's im ersten Post dieser Reihe.

Los geht's:

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Prag 1356

            Prag, das ist die Stadt Kaiser Karls IV., von ihm gefördert und geformt; 1356, das ist das Jahr der Goldenen Bulle.[1] Zudem ist 1356 u.a. auch das Jahr, in dem sich Petrarca - mäßig begeistert[2] - für kurze Zeit in Prag aufhält.
            Prag ist 1356 bereits eine durch Karl[3] geprägte, umgestaltete Stadt: abgesehen vom Neubau des Veitsdoms: u.a. durch das Projekt der Bildung der Prager Neustadt[4] als steingebauter Stadt für Christen und Juden ab spätestens 1348,[5] und durch die Gründung der Prager Universität (der heutigen Universitas Carolina / Univerzita Karlova v Praze) im mehr oder minder selben Jahr (1347/1348/1349).[6]
            Vor der Universitätsgründung wird ein päpstliches Privileg erwirkt,[7] doch in den eigentlichen Gründungsurkunden werden Gründung und Privilegierung durch den Kaiser ohne Bezug auf dieses Privileg bezeugt - aus eigenem Amt, eigener Kraft[8] - wie auch in der Goldenen Bulle[9] die Angelegenheiten des Reiches ohne Einbeziehung des Papstes geregelt werden.
            Die zentrale Urkunde, das Gründungsdokument vom 7. April 1348[10] erlässt Karl in seinen beiden Funktionen, als König des Heiligen Römischen Reichs und als König von Böhmen.[11] Erstes Ziel ist der kunstvolle Schmuck des Königreiches Böhmen mit einer großen Anzahl von Männern, die sich durch praktische Weisheit.[12] auszeichnen. Als nächstes bereits genannt wird die regionale Selbstversorgung mit Gelehrten[13] - ein erster Schritt zur Entwicklung von "Landesuniversitäten", deren Durchsetzung mit beitragen wird zum Zusammenbruch des gemeinsamen europäischen Hochschulraums am Ende der Renaissance[14] -, dann jedoch auch gleich der Gewinn Auswärtiger.[15] Die Universität wird als studium generale - sich auf alle Fächer erstreckend - gegründet, und den an ihr Unterrichtenden wie Lernenden werden mindestens die gleichen Privilegien etc. versprochen, wie sie in Paris und Bologna üblich sind.[16]
            Philosophische Vorlesungen erfolgen zunächst als kurzen Textpassagen folgende Auslegung des vorgeschriebenen Textes (z.B. der Physik des Aristoteles), und wurden im 15. Jahrhundert durch den modus quæstionis ersetzt, bei dem nicht mehr Textpassagen, sondern Fragen, Probleme diskutiert wurden - zum Teil unter Nutzung von Texten aus anderen Universitäten.[17] Das inhaltlich Geforderte unterscheidet sich in mehrerem von Pariser Vorbildern: So legt man in Prag weniger Gewicht auf Lateinkenntnisse und mehr Gewicht auf Logikkenntnisse als in Paris, und betrachtet (ebenfalls im Unterschied zu Paris) Aristoteles' Physik als Text für Studierende im Grundstudium (bis zum Bakkalaureat) und Aristoteles' Topik als Text für Fortgeschrittenere, die sich auf das Lizenziat vorbereiten.[18] Sowohl Wien als auch Erfurt werden diesem Modell folgen.[19] Die meisten für das Artes-Studium vorgeschriebenen Texte[20] sind wenig außergewöhnlich, doch finden sich auch explizit vorgeschrieben die Œconomica (philosophische Haus- und Staatswirtschaftlehre) und die Parva naturalia[21] (die eine im Vergleich zu den meistgelesenen naturphilosophischen Schriften des Aristoteles eine offenere, metaphysikärmere, unsystematischere Behandlung natürlicher Phänomene bieten). Selbstverständlich folgte auch in Prag die Studienpraxis nicht immer exakt den Vorschriften, aber ein Beispiel von 1389 (Bakkalaureus Johann Jahenstarfer) zeigt, dass es zwar "Kürzungen" an anderer Stelle gab, aber sowohl die Vorlesungen zur Topik, als auch die zu den Œconomica und den Parva naturalia besucht wurden.[22] Mindestens einige der Professoren folgen Buridan. Wycliff wird früh (vielleicht schon 1378/79) rezipiert.[23] Was sich hingegen zu dieser Zeit nicht findet, ist die Aufnahme radikal "neuer" Gegenstände (studia humanitatis, Geschichte …) in den Lehrplan der Artes-Fakultät.
            Damit ist die neugegründete Universität durchaus modern, aber auf eine Bestehendes nutzende und moderat umformende, nicht revolutionäre Weise.



            Neues unter Nutzung von Vorhandenem das auf neue Weise realisiert wird: dies ist es auch was die Bulla Aurea kennzeichnet, die Goldene Bulle die unter allen mit Gold gesiegelten Bullen den Ehrennamen Goldene Bulle erhalten hat, die die Angelegenheiten des Reiches in einigen Aspekten für die nächsten 450 Jahre geregelt hat.
            Älteres Vorhandenes wie die Bezugnahmen auf die Bibel[24] und mindestens Parallelen zu Texten Kaiser Friedrichs II.[25] die mehr als ein Jahrhundert früher entstanden waren. Anderes hingegen findet sich - wie später hier erkennbar werden wird: bewusst - nicht: kein universaler Anspruch des Kaisertums (wie in Dantes Monarchia),[26] keine Grundlegung durch (weltliches und/oder kirchliches) Römisches Recht, keine Bezugnahme auf das Verhältnis weltlicher und geistlicher Macht, von Kaiser und Papst.[27]
            Auch neueres Vorhandenes findet sich: Das Streben nach Frieden und Einheit bzw. deren Bewahrung als Ausgangspunkt zu Beginn der Goldenen Bulle,[28] - wie auch in den ersten beiden Paragraphen des ersten Kapitels der ersten Diccio des Marsilius' von Padua Defensor pacis.[29]. Die Bezugnahme auf eine große Teilnehmerzahl bei der Gesetzesverkündung (bei der jedoch bemerkenswerterweise keine Bauern - damals nach aller Vermutung die mit Abstand personenreichste Gruppe der Einwohner des Reiches! - erwähnt werden) asedentibus nobis omnibus principibus electoribus ecclesiasticis et secularibus ac aliorum principum, comitum, baronum, procerum, nobilium et civitatum multitudie numerosa")[30] und die Entscheidung über den künftigen König durch eine herausgehobene Gruppe, die Kurfürsten[31] in der Goldenen Bulle - man vergleiche Marsilius' Lob der Wahlmonarchie[32] und seine berühmte Aussage zur "valencior pars": "legislatorem seu causam legius effectivam primam et propriam esse populum seu civium universitatem aut eius valenciorem partem, per suam eleccionem seu voluntatem in generali civium congregacione […] valenciorem inquam partem, considerata quantitate personarum et qualitate in communitate illa super quam lex fertur, sive id fecerit universitas predicta civium aut eius pars valencior".[33] Die Regeln der Goldenen Bulle für das Gerichthalten über den König (Anklage und Urteil durch den Pfalzgrafen bei Rhein, aber nur in der curia imperialis in Anwesendheit des Königs oder Kaisers)[34] entsprechen zumindest formal den Forderungen des Marsilius', insbesondere der nach einer gesetzlichen Regelung für derlei Fälle.[35] Ob dabei Marsilius' Defensor pacis direkt oder indirekt[36] den Text der Goldenen Bulle beeinflusst hat, kann dahingestellt bleiben.[37] Dass das was sich in Karls Bulle findet und nicht findet größere Ähnlichkeit hat mit dem was sich in der "neueren" Sicht auf Reich und Politik des Marsilius findet als in der (nicht sehr viel) "älteren" Dantes, dies hingegen ist deutlich.


Und doch befinden sich am Hofe Karls auch Personen, Autoren, die diese "ältere" Sicht vertreten: Cola di Rienzo[38] und Francesco Petrarca. [39]


[1]           Über Alternativen für Beginn (und, im Blick auf den letzten Abschnitt dieses Bandes ["Paris 1625"], auch Ende) dessen was in diesem Band behandelt wird, und etwaige Gründe diesen vielleicht dieser besser mit "Frühmoderne" (o.dgl.) als mit "Renaissance" zu überschreiben, zu berichten, und das Berichtete zu diskutieren, und die getroffene Grenzziehung und Benennung zu rechtfertigen würde Zeit kosten die m.E. besser der Auseinandersetzung mit den Texten, Personen, Themen, Kontexten, Phänomenen über die dieser Band handelt gewidmet wird. Der Nutzen jeglicher Einteilung der Geistesgeschichte in Epochen scheint mir nicht über rein pragmatisches (wie z.B. die Aufteilung der philosophiehistorischen Texte der Reihe in der dieser Band hier erscheint) hinauszugehen, und für die Benennung dieser Epochen scheint mit allein der weitverbreitete Sprachgebrauch sinnvolle Entscheidungsgrundlage. Die Auswahl der epochenbegrenzenden Jahreszahlen ist vielfältig: Für "Renaissance" schwanken sie zwischen (mindestens) 1220 und 1483 für den Beginn und 1525 und 1700 für das Ende, und für "Frühmoderne", "Frühe Neuzeit" u.dgl. zwischen (mindestens) 1100 und 1500 für den Beginn und 1667 und 1850 für das Ende. (Für eine Auswahl siehe den Thread Periodisations, borders unter http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/W4RF/YaBB.pl?num=1212479446 .)
[2]           Siehe die Zeugnisse dazu in Francesco Petrarca (ed. & trans. Berthe Widmer): Aufrufe zur Errettung Italiens und des Erdkreises : Ausgewählte Briefe Lateinisch-Deutsch, Basel [Schwabe & Co] 2002, p. 468sqq.
[3]           Als Einführung zu Karl empfohlen: Ferdinand Seibt: Karl IV. Ein Kaiser in Europa : 1346 bis 1378, München [Deutscher Taschenbuchverlag] 1994 (oder beliebige Auflage ab 1985). Zu Karl als Politiker findet sich die vielleicht prägnanteste, und eine nicht zuletzt das neue betonende, Kurzbeschreibung bei Bayley (Charles Calvert Bayley: Petrarch, Charles IV, and the 'Renovatio Imperii' in: "Speculum" 57.3 (1942), pp. 323-341, hier: p. 326s): "Charles IV, the coldly realistic son of an irrepressibly romantic and endlessly intriguing father, … . In politics an inveterate follower of the golden mean, his feet firmly planted in the soil of reality, Charles displayed almost invariably an almost diabolic diplomatic expertise … . Summarily he was a Realpolitiker of the new type, || with none of the superficial attractions of the chivalrous kings, but a man of caution, of reflection, of order, with carefully restricted aims and an uncanny skill in ultimately attaining them." Vgl. auch Jiři Spĕček: Karl. IV. : Sein Leben und seine staatsmännische Leistung, Praha [Academia] 1978.
[4]           Zur Gründung der Prager Neustadt im Kontext der Gründung der Karlsuniversität siehe: Renate Dix: Frühgeschichte der Prager Universität : Gründung, Aufbau und Organisation 1348-1409, Bonn [Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität], pp. 62-69, und die Literaturhinweise dort.
[5]           Matthias Makowski: Praga Caput Regni : Untersuchungen zur Sprach und Kulturgeschichte des Mittelalters, Frankfurt a.M. [Peter Lang] 1994, insbes. p. 34.
[6]           Die Gründungsgeschichte der Karlsuniversität ist intensiv untersucht und vielfältig diskutiert worden. Für einen ersten Überlick siehe z.B. Matthias Makowski: Praga Caput Regni :Untersuchungen zur Sprach und Kulturgeschichte des Mittelalters, Frankfurt a.M. [Peter Lang] 1994, pp. 39-52 und die dort genannte Literatur. Speziell zu den Diskussionen siehe: František Šmahel: Die Präger <!> Universität im Mittelalter / The Charles University in the Middle Ages : Gesammelte Aufsätze / Selected Studies, Leiden  [Brill] 2007, pp. 3-12. Für Quellen und Literatur siehe auch Zhang Tao (= ):Fehlgründungen von Universitäten im Spätmittelalter - Motive und Bedingungen für die Entstehung der mittelalterlichen Universität, Heidelberg 2010 (elektronisch verfügbar unter URL http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2010/11054/pdf/ZHANG_Tao_2010_Diss.pdf [gesehen: 2011-02-11, 10:20h GMT+1] via http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2010/11054/ bzw. http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/11054 ), pp. 99-105 zusammen mit pp. 350-398
[7]           Zu weiteren Vorbereitungen, insbes. was die Prager Ordenssstudien betrifft, siehe Renate Dix: Frühgeschichte der Prager Universität : Gründung, Aufbau und Organisation 1348-1409, Bonn [Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität], p. 114s und die dort angegebene Literatur.
[8]           Zu den Gründungsurkunden siehe Renate Dix: Frühgeschichte der Prager Universität : Gründung, Aufbau und Organisation 1348-1409, Bonn [Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität], pp. 88-113, wo sich auch deutsche Übersetzungen aller drei Dokumente finden (Papsturkunde: pp.88-90, Karls Prager Urkunde vom 7. April 1348: p. 96, das Eisenacher Diplom: p. 105).
[9]           Zu dieser weiter unten.
[10]          Der Lateinische Text ist bequem zugänglich unter URL http://www.cuni.cz/UK-145.html [gesehen: 2009-04-07, 14:09h GMT+1].
[11]          op. cit.: "Karolus, Dei gracia Romanorum rex semper augustus et Boemie rex. Ad perpetuam rei memoriam."
[12]          op. cit.: "… qualiter regnum nostrum Boemie, quod pre ceteris hereditariis, aut eufortune acquisicionis honoribus et possessionibus prerogativa mentis affeccione complectimur, cuius exaltacionem omni, qua possumus, diligencia procurantes, ipsius honori intendimus totis conatibus et saluti, sicut rerum victualium, ad dispensacionem divini nominis natura profluente tripudiat, sic ad nostre provisionis edictum prudentum virorum copia nostris artificialiter temporibus decoretur …"
[13]          op.cit.: "ut fideles nostri regnicole, qui scienciarum fructus indesinenter esuriunt, per aliena mendicare suffragia non coacti paratam in regno sibi mensam propinacionis inveniant, et quos ingeniorum nativa subtilitas ad consilia reddit conspicuos, litterarum sciencia faciat eruditos, nec solum compellantur, aut supervacuum reputent ad investigandas gyrum terre sciencias circuire, naciones expetere peregrinas aut, ut ipsorum aviditatibus satisfiat, in alienis regionibus mendicare, …"
[14]          Siehe den "Epilog" dieses Buches.
[15]          op. cit., gleich im Anschluß and das vorig zitierte: "sed gloriosum estiment extraneos alios ad suavitatem odoris et gratitudinis huiusmodi participium evocare."
[16]          op.cit.: "duximus studium generale, in quo siquidem studio doctores, magistri et scolares erunt in qualibet facultate, quibus bona magnifica promittimus et eis, quos dignos viderimus, regalia donaria conferemus, omnes et singulos doctores, magistros et scolares in profectione et qualibet facultate ac undecunque venerint, veniendo, morando et redeundo sub nostre maiestatis speciali protectione et salva gardia retinentes, firmam singulis fiduciam oblaturi, quod privilegia, immunitates et libertates omnes, quibus tam in Parisiensi, quam Bononiensi studiis doctores et scolares auctoritate regia uti et gaudere sunt soliti, omnibus et singulis illuc accedere volentibus liberaliter impertimur et faciemus ab omnibus et singulis inviolabiliter observari."
[17]          František Šmahel: Die Präger <!> Universität im Mittelalter / The Charles University in the Middle Ages : Gesammelte Aufsätze / Selected Studies, Leiden  [Brill] 2007, p. 230s.
[18]          František Šmahel: The Faculty of Liberal Arts in: Ivana Čornejová, Michal Svatoš & Petr Svobodný (edd.): A History of Charles University 1348-1802 (=Karel Beránek et al. (edd.): A History of Charles University, Vol. 1), Prague : Charles University 2001, pp. 93-120, hier p. 99.
[19]          František Šmahel: The Faculty of Liberal Arts in: Ivana Čornejová, Michal Svatoš & Petr Svobodný (edd.): A History of Charles University 1348-1802 (=Karel Beránek et al. (edd.): A History of Charles University, Vol. 1), Prague : Charles University 2001, pp. 93-120, hier p. 100.
[20]          Die Summulæ des Petrus Hispanus, die logischen Schriften des Aristoteles, sowie dessen Physik, Metaphysik, De coelo, Meteora, Ethik und Politikschrift, plus Texte zu Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (František Šmahel: The Faculty of Liberal Arts in: Ivana Čornejová, Michal Svatoš & Petr Svobodný (edd.): A History of Charles University 1348-1802 (=Karel Beránek et al. (edd.): A History of Charles University, Vol. 1), Prague : Charles University 2001, pp. 93-120, hier p. 104).
[21]          František Šmahel: The Faculty of Liberal Arts in: Ivana Čornejová, Michal Svatoš & Petr Svobodný (edd.): A History of Charles University 1348-1802 (=Karel Beránek et al. (edd.): A History of Charles University, Vol. 1), Prague : Charles University 2001, pp. 93-120, hier p. 104. Siehe auch František Šmahel: Die Präger <!> Universität im Mittelalter / The Charles University in the Middle Ages : Gesammelte Aufsätze / Selected Studies, Leiden  [Brill] 2007, p. 240.
[22]          František Šmahel: The Faculty of Liberal Arts in: Ivana Čornejová, Michal Svatoš & Petr Svobodný (edd.): A History of Charles University 1348-1802 (=Karel Beránek et al. (edd.): A History of Charles University, Vol. 1), Prague : Charles University 2001, pp. 93-120, hier p. 105s. Siehe auch František Šmahel: Die Präger <!> Universität im Mittelalter / The Charles University in the Middle Ages : Gesammelte Aufsätze / Selected Studies, Leiden  [Brill] 2007, p. 242s.
[23]          František Šmahel: The Faculty of Liberal Arts in: Ivana Čornejová, Michal Svatoš & Petr Svobodný (edd.): A History of Charles University 1348-1802 (=Karel Beránek et al. (edd.): A History of Charles University, Vol. 1), Prague : Charles University 2001, pp. 93-120, hier pp. 114-116. Siehe auch František Šmahel: Die Präger <!> Universität im Mittelalter / The Charles University in the Middle Ages : Gesammelte Aufsätze / Selected Studies, Leiden  [Brill] 2007, pp. 257-261.
[24]          Siehe den Apparat in der MGH-Ausgabe der Bulla aura von Wolfgang D. Fritz: Constitutiones et acta publica imperatorum et regum. Dokumente zur Geschichte des Deutschen Reiches und seiner Verfassung 1354-1356, Weimar 1978 (Text der Bulla aurea: ab p. 560; diese Ausgabe im Folgenden als BA zitiert.)
[25]          Siehe die Argumentation bei Ferdinand Seibt: Karl IV. Ein Kaiser in Europa : 1346 bis 1378, München [Deutscher Taschenbuchverlag] 1994, p. 257s.
[26]          Dante Alighieri: Monarchia (ed. Pier Giorgio Ricci [Roma 1978]) elektronisch verfügbar unter http://www.liberliber.it/biblioteca/a/alighieri/monarchia/pdf/monarc_p.pdf und ed. Pier Vincenzo  Mengaldo [Milano 1996] unter http://www.bibliotecaitaliana.it/exist/bibit/search.xq?term1=%27bibit001024%27 (wenn nicht anders angegeben benutze ich hier diese zweite Ausgabe). Zum univresalen Anspruch: I,2 ; Zur Aktualisierung des Inlellekts durch die Weltgemeinschaft sihe I, 3 & 4 ; zur Notwenigkeit eines Welt-Monachenen siehe I, 10 und I, 14.
[27]          Wie etwa in Dantes Monarchia Buch III (z.B. ed. Pier Vincenzo  Mengaldo [Milano 1996] unter http://www.bibliotecaitaliana.it/exist/bibit/search.xq?term1=%27bibit001024%27 ), vgl. auch insbes. Richard Scholz: Unbekannte kirchenpolitische Streitschriften aus der Zeit Ludwigs des Bayern (1327-1354) : Analysen und Texte, 2 Bd.e, Rom : Loescher 1911, und für die frühere Zeit die von Ernst Dümmler (& al.) 1891-97 in drei Bänden herausgegebenen Libelli de lite imperatorum et pontificum saeculis XI. et XII. conscripti (Hannoverae : Impensis Bibliopolii Hahniani, elektronisch zugänglich unter http://bsbdmgh.bsb.lrz-muenchen.de/dmgh_new/app/web?action=loadBook&bookId=00000828 , http://bsbdmgh.bsb.lrz-muenchen.de/dmgh_new/app/web?action=loadBook&bookId=00000829 )
[28]          BA,  p. 562
[29]          Marsilius de Padua: Defensor pacis, Hannover [Hahnsche Buchhandlung] 1932, pp. 1-4. (diese Ausgabe im folgenden zitiert als DP.)
[30]          BA, p. 564
[31]          BA, p. 574s, cf. etiam passim die Aussagen zu den sieben Kurfürsten.
[32]          DP I.9, §§6 & 7 (p. 45)
[33]          DP I.12, §3 (p. 63). Hervorhebungen durch mich.
[34]          BA c. 5 (p. 584)
[35]          DP I.18, insbes. p. 122: "Debet autem iudicium, preceptum et execucio cuiuscumque correpcionis principantis fieri per legiuslatorem, vel per aliquem aut aliquos legislatoris auctoritate statutos ad hoc".
[36]          Zu Lupold von Bebenburg als Vorbereiter der goldenen Bulle einerseits, und als jemand der in seinen Schriften Marsilus von Padua so nahe war das er als dessen Epigone bezeichnet wurde siehe Kaus von Beyme: Geschichte der politischen Theorien in Deutschland 1300–2000, Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2009, p. 31s und die dort angegebenen Literatur. Für ein Beispiel einer von den Herausgebern gesehenen textlichen Parallele zwischen Lupold und Marsilius siehe Lupoldus de Bebenburg: Politische Schriften des Lupold von Bebenburg (edd. Jürgen Miethke & Christoph Flüeler), Hannover [Hahn] 2004, p. 314 et p. 314n367.
[37]          Dies gilt auch für andere seiner Werke. Vgl. Jean-Marie Moegelin: Das Erbe Ludwigs des Bayern in: Ulrike Hohensee (et al., edd.): "Die Goldene Bulla : Politik - Wahrnehmung - Rezeption" ; Band 1, Berlin [Akademie Verlag] 2009, pp. 17-38, insbes. p. 34s. Zum Kontext siehe auch Michael Menzel: Feindliche Übernahme. Die ludovicianischen Züge der Goldenen Bulle  in: Ulrike Hohensee (et al., edd.): "Die Goldene Bulla : Politik - Wahrnehmung - Rezeption" ; Band 1, Berlin [Akademie Verlag] 2009, pp. 39-63 und Robert Suckale: Zur Ikonographie der deutschen Herrscher des 14. Jahrhunderts. Rudolf I. - Lidwig IV. - Karl IV.  in: Ulrike Hohensee (et al., edd.): "Die Goldene Bulla : Politik - Wahrnehmung - Rezeption" ; Band 1, Berlin [Akademie Verlag] 2009, pp. 327-348, hier p. 339.
[38]          Zu Cola di Rienzo siehe für neuere Literatur Anna Modigliani  & Andreas Rehberg (edd.): Cola di Rienzo e il Comune di Roma, 2 Bd.2, Roma 2004. Für Cola und seine Beziehungen zu Karl und seinem Hof siehe Ferdinand Seibt: Karl IV. Ein Kaiser in Europa : 1346 bis 1378, München [Deutscher Taschenbuchverlag] 1994, 207-215.
[39]          Zu Cola und Petraca am Hofe Karls und zu Karls Beziehungen insbes. zu Petrarca siehe: Eva Schlotheuber: Petrarca am Hof Karls IV. und die Rolle der Humanisten, in: "Petrarca 2004 in München! : Texte von Beiträgen zur Interdisziplinären Vortragsreihe durch Münchner Gelehrte zur Feier der 700. Wiederkehr des Geburtstags Francesco Petrarcas im Sommersemester 2004" (2004-09-21), URL: http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/SekLit/P2004A/Schlotheuber.htm




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Die "Vernunft" Petrarcas in De remediis spricht zu dem Kaiser in De remediis wie Kaiser Karl in seinen Briefen an Petrarca zu Petrarca gesprochen hatte: Eindringlich verweisend auf die Schwierigkeit ja (Quasi-)Unmöglichkeit, für und durch sich selbst alten kaiserlichen Glanz wiederzubeleben, die (Über-)größe der Aufgabe, deutlich aussprechend, dass die Zeiten sich geändert haben, die Zeiten für einen Kaiser, der Herr der Welt ist, vorbei sind. Petrarcas Ratio vertritt (hier) die Position, die Petrarca in seiner Korrespondenz mit Karl IV. und in seinen Gesprächen mit Karl in Italien und wohl auch 1356 in Prag als Position Karls kennengelernt hatte, ist durch den Kontakt mit Karl im emphatischen Sinne informiert.



Exkurs
            Ein Wort ist bisher nicht gefallen, ungeschrieben, ungelesen, ein Terminus unverwendet, ein Begriff abwesend: "Humanismus".[1] Dem wird - abgesehen von diesem Exkurs (und von Titeln sekundärliterarischer Werke) - auch in den folgenden Kapiteln dieses Bandes so bleiben.
            Es sei unbestritten dass es Personen gibt die Eulen als Haustiere halten, dass es Personen gibt die wenn sie unter ihresgleichen sind Umhänge u.dgl. tragen, dass es Personen gibt die mit länglichen Holzgegenständen in der Hand erstaunliches zustandebringen, dass es Personen gibt die Besen benutzen um Sport zu betreiben, ja sogar dass es Personen gibt die "Alohomora" murmeln wenn sie ein Schloss öffnen wollen (ich selbst gehörte dazu): und dennoch gibt es offensichtlich keine Notwendigkeit das von J. K. Rowling erschaffene Potterverse für Realität zu halten.
            Unbestritten dass es in der Zeit die in diesem Band behandelt wird Personen gegeben hat, die für das von ihnen geschriebene Latein klassischen Vorbildern den Vorzug vor moderneren termini technici und einfache Satzstrukturen benutzenden neueren Autoren gegeben haben, dass es Personen gegeben hat die sich mehr für Literatur, Rhetorik, Geschichte, Geschichtsschreibung und Ethik interessiert haben als für Naturphilosophie und Metaphysik, dass es Personen gegeben hat, die in Petrarca so etwas wie einen intellektuellen Urahnen gesehen haben, dass es Personen gegeben hat für die Briefwechsel und Briefwechselnetzwerke große Bedeutung hatten, dass es Personen gegeben hat deren intellektuelles Umfeld weitgehend außerhalb von Universitäten verortet war, dass es Personen gegeben hat die reichlich Gebrauch von antiken Exempla gemacht haben, dass es sogar Personen gab bei deren Amtsbezeichnung "umanista" war: und dennoch gibt es keine Notwendigkeit davon auszugehen es habe eine Strömung oder Bewegung namens "Humanismus" gegeben, noch davon auszugehen es habe (abgesehen von denen, die entsprechend bezeichnete Stellen an höheren Lehranstalten hatten])) eine hinreichend umrissene Gruppe von Personen gegeben, die sinnvoll als "Humanisten" zu bezeichnen wären.
            Wovon dieser Band erzählt lässt sich erzählen ohne solche Annahmen machen zu müssen, und wird daher ohne diese Annahmen erzählt. Hierdurch werden Anlässe für Verwirrung verringert.
 Unter jenen, die über "Humanismus" und "Humanisten" geschrieben haben und schreiben, besteht alles andere als Einigkeit darüber, was denn "Humanismus" sei.[2] Wie auch immer man Humanismus definiert -, und sei es als Denkstil, wie es Sabrina Ebbersmeyer[3] tut - man wird sich nicht nur fragen müssen, wie groß die Chancen sind, dass andere die jeweilige Definition und ihre Prämissen mittragen, sondern auch, und vor allem, welchen Gewinn an Erkenntnis über Vergangenes man dadurch hat, und ob man, wenn man Konzepte verwendet die nach der Zeit über die man erzählt, entstanden sind, nicht mehr als nötig über die eigene Zeit erzählt und weniger als möglich über die Vergangenheit.

In diesem Band wird versucht, ohne das Konstrukt "Humanismus" auszu­kommen.[4] Dass ich dabei - meist ohne es im Einzelfall zu wissen und zu wollen - vermutlich reichlich Gebrauch an anderen derlei Konstrukten gemacht habe und machen werde, ist mir bewusst. Ich hoffe, dass künftige Kritik zu künftiger Reduktion solchen Gebrauchs führen kann und wird.


[1]           Zu Petrarca (und auch Cola) und Humanismus im Kontext Prag siehe: Frank L. Borchardt: First Contacts with Italy: German Chancellery Humanism in Prague (1977/2008-04-20), URL: http://web.archive.org/web/20080420111330/www.duke.edu/~frankbo/pdf/Prague1.htm , bzw. http://is.gd/9GjcQ , ursprünglich veröffentlicht in: Gerhart Hoffmeister (ed.): "The Renaissance and Reformation in Germany: An Introduction", New York [Frederick Ungar] 1977), pp. 1-16 (ich habe die Druckversion nicht eingesehen). Grundlegend: Konrad Burdach (ed.): Vom Mittelalter zur Reformation: Forschungen zur Geschichte der deutschen Bildung : Vierter Band: Aus Petrarca deutschem Schülerkreise, Berlin [Weidmannsche Buchhandlung] 1921.
[2]           Eindrucksvoll hierzu Angelo Mazzocco (ed.): Interpretations of Renaissance Humanism, Leiden [Brill] 2006, und darin insbesondere die (auch Historie und Hintergründe des Ringens um die Bestimmung dessen was "Humanismus" sei referierenden und diskutierenden) Beiträge von Mazzocco, Grendler, Fubini, und Keßler: Angelo Mazzocco: Introduction in: Angelo Mazzocco (ed.): "Interpretations of Renaissance Humanism", Leiden [Brill] 2006, pp. 73-95 (zur Geschichte der Humanismusbergriffe/konzepte von den Anfängen bei Georg Voigt [1859] bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, p. 7s zu "Humanismus" vor Petrarca), Paul F. Grendler: Humanism: Ancient Learning, Criticism, School and Universities in: Angelo Mazzocco (ed.): "Interpretations of Renaissance Humanism", Leiden [Brill] 2006, pp. 73-95 (u.a. pp. 74sqq zu den Thesen von Anthony Grafton, Lisa Jardine, Robert Black), Riccardo Fubini: Humanism and Scolasticism: Toward an historical Definition in: Angelo Mazzocco (ed.): "Interpretations of Renaissance Humanism", Leiden [Brill] 2006, pp. 127-136, Eckhard Keßler: Renaissance Humanism: The Rethorical Turn  in: Angelo Mazzocco (ed.): "Interpretations of Renaissance Humanism", Leiden [Brill] 2006, pp. 181-197 [auch elektronisch zugänglich unter URL http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/php/Kessler/Toronto2003.htm ] (siehe dort nicht zuletzt p. 181 die Auseinandersetzung mit Nutzen und Gefahren von Konzepten wie "Idealismus", "Platonusmus", "Realismus", Humanismus" und die Aussage "Humanism is an invention of the nineteenth century.", p. 182 zu Humanisten als Lehrern der studia humanitatis, p. 183sqq eine sehr produktive Auseinandersetzung mit Black), Angelo Mazzocco: Petrarch: Founder of Humanism  in: Angelo Mazzocco (ed.): "Interpretations of Renaissance Humanism", Leiden [Brill] 2006, pp. 215-241 (nicht zuletzt p. 223s zu Petrarca als Wiederhersteller der studia humanitatis bei Leonardo Bruni).
[3]           Sabrina Ebbersmeyer: Homo agens : Studien zur Genese und Struktur frühhumanistischer Moralphilosophie, Berlin [De Gruyter] 2010, insbes. pp. 3-8. (Mein herzlicher Dank gilt Sabrina Ebbersmeyer für die Gewährung des Zugangs bereits zum Typoskript von 2008.)
[4]           Wie auch generell ohne vermeidbare Bezugnahme auf (andere) philosophische "Sekten": Siehe hierzu das vorangehende einleitende Kapitel.


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Das war's für diesmal. Vermutlich geht 's irgendwann später in dieser Woche weiter mit "Padua 1408".