Google+ Badge

2015-08-13

Centuria I, Experimentum 39: Orte und Jahre: Ciudad de Mexico 1599

Ausschnitte aus hck: "Philosophie der Renaissance": Teil 10




Hier nun der zehnte Teil der Ausschnitte aus meinem 2014 erschienenen Einführungsband zur Philosophie der Renaissance. Zum Kontext und für Auszüge aus dem in den Band einführenden Kapitel "München 2013" siehe hier. Auszüge aus dem vorigen Kapitel ("Montaigne 1588") gibt's   hier  .


Hier die Ausschnitte:


"


Ciudad de Mexico 1599


            Ciudad de Mexico, das ist der Ort, den (oder dessen geographische oder zumindest administrative Umgebung) 1599 Antonius Rubius[1] verlässt, um sich nach Europa zu begeben, zur Vorbereitung der Veröffentlichung seiner in Mexiko erarbeiteten[2] philosophischen Werke.[3]
            Rahmen ist Rubius' Mitgliedschaft im Jesuitenorden.[4] Dass gleich drei der 11 Kapitel des vorliegenden Bandes Texte von Jesuiten zum Zentrum haben[5] gewährt diesem Orden noch größere Prominenz, als sie seiner (ohnehin sehr hohen) Bedeutung für die universitäre Philosophie der Renaissance entspricht.[6] Dennoch scheint mir solche Auswahl gerechtfertigt: Balduinus ist Zentralautor des Kapitels zu Ingolstadt - und damit zu jener Universität aus deren Lehrveranstaltungen im frühen 21. Jahrhundert alle Kapitel des vorliegenden Bandes hervorgegangen sind; und für extraeuropäische Philosophie in teilweise europäischen Traditionen sind die Ordensphilosophen (fast?) die einzigen Produzenten, und unter diesen die Jesuiten - zumindest soweit gegenwärtig mir sichtbar - von überragender Prominenz.
            Ein weiterer Rahmen ist der Ort der Entstehung: Mexiko. Theoretisch unterstehend der Krone Kastiliens sind, nicht zuletzt da das Bildungswesen unter Kontrolle der Orden ist, die Sprachen der lokalen Gebildeten die Lokalsprachen - und Latein.[7] Latein ist auch (die) Sprache in der - durchaus elegant - der lokale Adel mit den Spanischen Herrschern korrespondiert.[8] "Eroberung" der wie "Dominanz" über die Vizekönigreiche Nueva España und Peru bzw. deren Teile geschahen in Kooperation zwischen (mehr oder minder friedlichen) europäischen Einwanderern und eingeborenen Eliten und deren Gefolgsleuten[9] - wobei die Gewichte und Anteile durchaus unterschiedlich interpretiert wurden und werden,[10] und die Abgrenzung der Gruppen nicht immer möglich (geschweige denn sinnvoll) ist.[11]
            Entscheidungen die dauerhafte Folgen in Spanisch-Lateinamerika haben fallen de facto eben dort - mit weit geringerem europäischem Einfluss als man u.U. in Sevilla und Madrid annahm. Im Kontext des hier vorgelegten Bandes vermutlich beachtenswertestes und einschlägigstes Beispiel ist die Gründung und Erhaltung der von Vasco da Quiroga erdachten, geordneten, gegründeten, verteidigten Gemeinwesen in Mexico.[12]

            Lateinamerikanische philosophische Aktivität[13] findet reichlich Niederschlag in Werken,[14] manche davon vermutlich inzwischen verloren,[15] wobei als verloren vermutetes wie nicht als verloren vermutetes betreffend m.E. berücksichtigt werden sollte, dass mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weitere Exemplare wie Werke (vornehmlich vor Ort) in Bibliotheken kleinerer Einrichtungen[16] findbar sein werden - was nicht auf Lateinamerika beschränkt ist, auch für Europa zutrifft.
            Rubius' philosophische Werke - Schriften zur Logik (in mehreren Versionen), Kommentare zu des Aristoteles Physica, De generatione et corruptione, De cælo, De anima - haben durch jeweils mehrere Europäische Druckausgaben, erschienen zwischen 1603 und 1644 reichliche Verbreitung gefunden.[17]
            Die höheren Bildungseinrichtungen Neuspaniens stehen unter weit geringerer landesherrlicher politischer Kontrolle als die Europas,[18] was sie betrifft wird (gelegentlich mit Appell an landesherrliche Aufsicht) zwischen den Orden (die die Hauptträger höherer Bildung sind), lokalen Behörden, privaten Geldgebern bestimmt.[19]



[1]           Kurzüberblick zu Vita, älterer Sekundärliteratur, Werken in: Charles Henry Lohr: Latin Aristotle Commentaries : II: Renaissance Authors, Firenze [Leo S. Olschki] 1988, pp 395b-396b. Zur Vita ausführlicher (mit Literatur- und Quellenangaben): Domingo Henares: La Lógica Mexicana del Rodense Antonio Rubio, in: "Al-Basit" 14 (1984), pp. 5-42, hier pp. 7-12; und - für die Zeit nach Rubius' Eintreffen in Mexiko: Walter Redmond: La Lógica Mexicana de Antonio Rubio : Una nota histórica in: "Dianoia" 28.28 (1982), pp. 309-330, hier pp. 312-315 & 323s.
[2]           Zu Arbeitsaufenthalten Rubius in Tepotzotlán (nördlich von Ciudad de Mexico, 1594) und Pátzcuaro (Mitchoacán, 1597) siehe Juan Carlos Torchia Estrada El Padre Antonio Rubio y la eseñanza filosofica de los jesuitas en la Nueva España in: "CUYO" 13 (1996), pp. 11-44, hier p. 22s & p. 40n35.
[3]           Walter Redmond: La Lógica Mexicana de Antonio Rubio : Una nota histórica in: "Dianoia" 28.28 (1982), pp. 309-330, hier p. 315
[4]           Zur Societas Jesu siehe auch die im Kapitel Ingolstadt 1577 angeführte einschlägige Literatur.
[5]           Ingolstadt 1577: Balduinus, Ciudad de Mexico 1599: Rubius, Peking 1601: Ricci.
[6]           Paul Richard Blum: Der Standardkursus der katholischen Schulphilosophie im 17. Jahrhundert in: Eckhard Keßler, Charles Henry Lohr & Walter Sparn (edd.): "Aristotelismus und Renaissance : In memoriam Charles B. Schmitt", Wiesbaden [Otto Harrassowitz] 1988, pp. 127-148 bietet pp. 142-148 (mit Erläuterung p. 141) Tabellen, aus denen u.a. hervorgeht, dass vom späten 15. bis ca. zur Mitte des 17. Jahrhunderts (also unter Einbeziehung von Jahrzehnten in denen es den Jesuitenorden noch nicht gab) ohne Zählung von Disputationsdrucken/Thesendrucken (die vermutlich den Anteil der Schriften mit Jesuitenbeteiligung nochmals erhöht hätte) rund 38% aller Aristoteleskommentare von Ordensmitgliedern verfasst wurden, wobei unter diesen wiederum der Textanteil der Societas Iesu knapp 20% betrug (gefolgt von Dominikanern mit gut 8% und Franziskanern mit 4,37%), der Anteil der Autoren aber noch gewichtiger ist: gut 51% (Dominikaner knapp 18%, Franziskaner 10,65%).
[7]           Walter D. Mignolo: The Darker side of the Renaissance : Literacy, Territoriality, and Colonization; 2nd Edition, Ann Arbor [University of Michigan Press] 2007, pp. 52-57. Mein Dank gilt hier Klaus Jacklein, durch den ich auf dieses Buch aufmerksam wurde.
[8]           Siehe Günter Zimmermann (ed.): Briefe der indianischen Nobilität aus Neuspanien an Karl V und Philipp II um die Mitte des 16. Jahrhunderts, Hamburg [Klaus Renner, München] 1970, dort insbes. Dokumente Ib (von 1552, pp. 2-4) und IIIa (ca. 1556, pp. 18s - interessant auch wegen Einmischung eines biblischen Belegs [I Könige - Altes, nicht Neues Testament] und Spanisch "cruçado", u.U. phonetischer Schreibung des Empfängers ["magestas"]).
[9]           Siehe z.B. Wayne E. Lee: Projecting Power in the Early Modern World: The Spanish Model in: Wayne E. Lee (ed.): "Empires and Indigenes : Intercultural Alliance, Imperial Expansion, and Warfare in the Early Modern World", New York & London [New York University Press] 2011, pp. 1-16, spec. pp. 3-9 & pp. 13-16 und die dort angegebene Literatur.
[10]          Siehe z.B. David Cahill: Series Editor's Preface in: Susan Schroeder (ed.): "The Conquest All Over Again", Brighton & al. [sussex Academic Press] 2010, pp. Ix- xiii, spec. p. xiis , & Susan Schroeder: Introduction in: Susan Schroeder (ed.): "The Conquest All Over Again", Brighton & al. [sussex Academic Press] 2010, pp. 1-14, spec. P. 3s , & Susan Schroeder: Chimalpahin rewrites the Conquest : Yet Another Epic History in: Susan Schroeder (ed.): "The Conquest All Over Again", Brighton & al. [sussex Academic Press] 2010, pp.101-123. Auch die anderen Beiträge in diesem Band sind in diesem Kontext bemerkenswert.
[11]          Beeindruckend: Florine G.L. Asselbergs: Conquered Conquistadors : The Lienzo de Quauhquechollan: A Nahua vision of the conquest of Guatemala, Leiden [CNWS Publications] 2004 und Kris Lane: Quito 1599 : City and Colony in Transition, Albuquerque [University of New Mexico Press] 2002.
[12]          Siehe Fintan B. Warren: Vasco de Quiroga and his Pueblo Hospitals of Santa Fe,  Washington [Academy of American Franciscan History] 1963. Für Kontexte extrem aufschlussreich ist Bernardino Verástique: Michoacán and Eden : Vasco de Quiroga and the Evangelization of Western Mexico, Austin: University of Texas Press 2000. Quirogas eigene Texte finden sich (z.B.) in: Vasco de Quiroga: [Opera] (= Paz Serrano Gassent [ed.]: Vasco de Quiroga:  La Utopía en América, Madrid : Historia 1992). Vgl. auch: Heinrich C. Kuhn: Ideal Constitutions in the Renaissance: Sizes, structures, dynamics, (dis)continuities in: Heinrich C. Kuhn & Diana Stanciu (edd.): "Ideal Constitutions in the Renaissance", Frankfurt a.M. [Peter Lang] 2009, pp. 9-27, hier p. 12 und 15, und die dort angegebene Literatur.
[13]          Für Sekundärliteratur vergleiche neben Walter Bernard Redmond: Bibliography of the Secondary Literature concerning the Philosophy of the Colonial Period in Latin America in: Walter Bernard Redmond: "Bibliography of the Philosophy in the Iberian Colonies of America", The Hague [Martinus Nijhoff] 1972, pp. 137-174: Bibliography on History of Ideas In Colonial Latin Amewrica <sic!> 1994-08-18, zugänglich unter URL http://www2.h-net.msu.edu/~latam/bibs/bibideas.html [gesehen: 2012-11-20].
[14]          Basisbibliographie: Walter Bernard Redmond: Bibliography of the Philosophy in the Iberian Colonies of America, The Hague [Martinus Nijhoff] 1972. Dort p. XI die nach wie vor zutreffende Beobachtung: "The disproportion between the wealth of primary source material and the scarceness of bibliographical and monographical investigations indicates that the colonial period of Latin America is perhaps the least studied area in the history of western philosophy". P. 84s dortselbst ein Verzeichnis der Werke des Rubius.
[15]          Siehe "Appendix of some Colonial Philosophical Works which have become lost" in: Walter Bernard Redmond: Bibliography of the Philosophy in the Iberian Colonies of America, The Hague [Martinus Nijhoff] 1972, pp. 134-136.
[16]          Bestände aus Privatbibliotheken sollten entweder über Antiquarskataloge, Auktionskataloge oder Veröffentlichungen der Besitzer bekannt sein, oder im Laufe der Jahrhunderte in Bibliotheken von Einrichtungen übergehen, oder beides. Vgl. Aber den Abschnitt "Utopia" in: Paul Oskar Kristeller: Iter Italicum ; Alia Itineraria III and Italy III: Sweden to Yugoslavia, Utopia, supplement to Italy (A - F), London: [The Warburg Institute] 1990.
[17]          Siehe Walter Bernard Redmond: Bibliography of the Philosophy in the Iberian Colonies of America, The Hague [Martinus Nijhoff] 1972, p. 84s und Charles Henry Lohr: Latin Aristotle Commentaries : II: Renaissance Authors, Firenze [Leo S. Olschki] 1988, p, 396 (a&b).
[18]          Beispiele für kräftige landesherrliche Eingriffe finden sich z.B. in Padua, Ingolstadt, Wittenberg (und auch die Verhandlungen zwischen Mathias Corvinus und der Universität Wien sind nicht zu vergessen) - um nur im Kontext des hier in diesem Band besprochenen zu bleiben.
[19]          Siehe Juan Carlos Torchia Estrada El Padre Anonio Rubio y la eseñanza filosofica de los jesuitas en la Nueva España in: "CUYO" 13 (1996), pp. 11-44, hier p. 15s & p. 36n7.










<...>









            Zur Bestimmung der eigenen Position erläutert Rubius: Eine determinierte Wahrheit muss distinkt und nicht konfus sein (da sonst ihre Wahrheit quasi schwebend bleibt ("quasi suspensa manet veritas eius"), und sie muss aktual sein, in der Natur der Dinge liegend, wie bei der Aussage, dass morgen die Sonne aufgehe.[1] Des weiteren wird festgestellt, dass es Aussagen über Zukünftiges gibt, die die Zeit angeben zu der es stattfindet, und solche die es nicht tun.[2]
            Auf dieser Basis gibt Rubius als eigene Position: Dass Aussagen über kontingente zukünftige Einzelereignisse bestimmt determiniert wahr oder falsch sind.[3] Denn der Katholische Glaube lehre, dass Gott von Ewigkeit her ihre Wahrheit evident kenne.[4] Und auch durch die Vernunft ("ratione") lasse sich dies beweisen: Wenn es heute am 27. Februar 2013 determiniert wahr ist, dass ich heute diesen auf sich selbst verweisenden Satz schreibe,[5] dann war die Aussage dass ich am 27. Februar 2013 diesen Satz schreibe auch gestern am 26. Februar 2013 schon wahr.[6] Denn Aussagen beziehen sich auf das was sie bezeichnen, und die Wahrheit einer Aussage dass zum Zeitpunkt T Ereignis X eintreten werde ist zum Zeitpunkt T-n genauso wahr (oder falsch) wie zum Zeitpunkt T.[7] Das Ereignis das eintritt ist zum Zeitpunkt des Eintretens aktual.[8] Wenn derlei Aussagen (heute) keinen determinierten Wahrheitswert hätten, dann hätten sie auch nie einen:[9]

Quia si propositiones istae non habent determinatam veritatem : ergo nullo modo sunt verae, aut falsae; nec erunt aliquando : hoc est, nec actu nec potentia, quod est absurdum. Probatur consequentia; quia frustra est potentia, quae nec reducitur, nec reduci potest ad actum; sed illae enuntiationes, nunquam erunt de futuro verae; imo nec esse poterunt, si modo non sunt determinatae verae; quia cum effectus praesens fuertit; iam non sunt verae de futuro, sed de praesenti; ergo nec habent veritatem de futuro;[10] determinatam actu, nec potentia; quod est nullo prorsus modo esse veras de futuro.

Denn wenn diese Aussagen keine determinierte Wahrheit haben, dann sind sie auf keine Weise wahr oder falsch, noch werden sie es irgendwann sein: weder aktual noch in Potenz - was absurd ist. Der Schusssatz wird bewiesen: denn diejenige Potenz ist umsonst die weder in die Aktualität reduziert wird noch reduziert werden kann; aber diese Aussagen werden nie wahr in bezug auf die Zukunft sein, vielmehr es auch nicht sein können, wenn sie durchaus nicht determiniert wahr sind, weil da die Wirkung[11] gegenwärtig sein wird, sind sie doch nicht in bezug auf die Zukunft wahr, sondern in bezug auf die Gegenwart; also haben sie keine Wahrheit in bezug auf die Zukunft, (weder) aktual determiniert noch in Potenz: was heisst dass sie auf gar keine Weise in bezug auf die Zukunft wahr sind.

(Rubius nutzt metaphysisches [die Akt-und-Potenz-Lehre] zur Lösung eines logischen Problems. Die Berührungspunkte zwischen seiner Logik und Metaphysik beschränken sich durchaus nicht nur auf den Kommentar zur Isagoge des Porphyrios und die Kategorienschrift.)
            Die vorgeschlagene Lösung, dass Aussagen über zukünftige kontingente Einzelereignisse determiniert wahr (oder falsch) sind, bedeute, so Rubius, nicht, dass zukünftige Ereignisse die "freie" Ursachen haben notwendig seien: sie sind determiniert wahr als kontingente, und so auf kontingente Weise wahr ("& contingenter sic vera"), so wahr, dass sie falsch sein könnten.[12] Weitere Erläuterungen folgen.[13] Er, Rubius, sei sich sicher, dass Aristoteles die Freiheit unseres Willens und die Kontingenz anderer Ursachen gekannt habe, und deshalb auch Rubius' in dieser Quaestio vertretene Ansicht (als seine eigene, richtige) erkannt habe.[14] Dann (diesmal mit dem "klassischen" Beispiel):[15]

Dico autem, ut necesse est;[16] Futurum esse bellum navale cras, vel non futurum esse, non tamen cras fieri bellum navale necesse est, neque non fieri: fieri tamen, vel non fieri, necesse est.


Ich sage aber dass es notwendig ist, das es in Zukunft entweder eine Seelschlacht gibt oder dass es sie in Zukunft nicht gibt: nicht aber <sage ich> dass es morgen notwendig eine Seeschlacht gebe, noch auch dass sie <morgen notwendig> nicht statthabe. Dass sie aber statthaben wird oder nicht statthaben wird: dies ist notwendig.

Es folgen Literaturangaben und eine Untersuchung der Frage ob eine kontingente Wirkung dann wenn sie eintritt notwendig sei, oder immer noch kontingent.[17]



            In bezug auf keines der (rund ein Dutzend quer über die Versionen) Druckexemplare von Rubius' Logik die ich bislang in der Hand gehabt und/oder online konsultiert habe, kann ich mich erinnern, irgendwelche Spuren gefunden zu haben, dass sie - entsprechend Rubius' Aussagen zum intendierten Gebrauch seines Werkes - Lehrern und/oder Studierenden als Lehrbuch gedient hätten.
            Aber Rubius' Logik blieb alles andere als ungenutzt: für beträchtliche Zeit[18] wurde und blieb sie Standardliteratur auf die sich andere, spätere Werke zur Logik stützten und/oder bezogen[19] - ein Beispiel dafür, dass jene Ruptur durch die die Philosophie der Renaissance als Philosophie ohne Kontinuität zu kartesischer wie postkartesischer Philosophie in Philosophiegeschichten steht für die moderne Philosophie mit Descartes beginnt - ein Beispiel, dass diese Ruptur nicht um die Mitte des 17. Jahrhunderts sondern weit später zu datieren ist.[20] Solcher Riss ist wohl auch mit Ursache, dass Ciudad de Mexico nicht mehr selbstverständlicher Ort von Philosophiegeschichte ist die, vom Ort der Drucklegung des vorliegenden Bandes und dessen weiteren Ortsumgebung aus betrachtet, als unsere Philosophiegeschichte gesehen wird.



[1]           LM1641, p. 402b.
[2]           LM 1641, p. 403a.
[3]           LM 1641, p. 403a: "Quod propositiones singulares de futuro contingenti, sint determinate verae aut falsae."
[4]           LM1641, p. 403a.
[5]           Offensichtlich mein Beispiel, nicht das des Rubius (der Aussagen über einen disputierenden Petrus als Beispiel verwendet).
[6]           Das entsprechende bei Rubius: LM1641, p. 403a.
[7]           Mein Versuch einer erläuternden Wiedergabe dessen ws sich LM1641, p. 403as findet.
[8]           LM1641, p. 403b.
[9]           LM1641, p. 403b.
[10]          Ich vermute einen Fehler des Setzers (oder eines Kopisten, oder einen Schriebfehler des Autors), und übersetze so als stünde hier ein Komma (",") statt des Semikolon (";").
[11]          Das Eintreten dessen was in der Aussage behauptet wird.
[12]          LM1641, p. 404as.
[13]          LM1641, p. 404b-405b.
[14]          LM1641, p. 405bs. Im folgenden (LM1641, p. 406as) dann Rubius' Versuch diese Position als vereinabr mit den Aussagen im Text des Aristoteles' zu zeigen.
[15]          LM1641, p. 406b
[16]          Ich vermute (auch hier) einen Fehler des Setzers (oder eines Kopisten, oder einen Schreibfehler des Autors), und übersetze so als stünde hier ein Komma (",") statt des Semikolon (";").
[17]          LM1641, p. 406b-407b. Die Antwort ist: schlechthin kontingent, aber aufgrund der Umstände ("ab extrinseco, ex determinatione temporis") notwendig. (LM1641, p. 406b).
            Vgl. (zu An. post. I,26) die Untersuchung An scientia sit de singularibus, de contingentibus, & de entibus per accidens?/Ob es von Einzedingen, Kontingenten, und akzidentell Seienden Wissenschaft gebe? (LM1641, p. 513b-516a): in bezug auf Zufälliges ist dort (LM1651, p. 516a) die Lösung, dass es von Zufälligem allgemein betrachtet Wissenschaft gebe, aber von einzelnem zufälligem durchaus nicht, da derlei weder definierbar sei, noch irgend eine per se beweisbare passio habe.
[18]          Z.B. noch 1739 in: Antonius Mayr: Philosophia Peripatetica Antioquorum Principiis, Et Recentiorum Experimentis Conformata : Tomus I. Seu Logica, Ingolstadii [Sumptibus Viduae Joannis Andreae de La Haye] 1739, p. 390b (URL  http://books.google.de/books?id=tRI_AAAAcAAJ&pg=PA390  [gesehen 2013-02-27]). Zu Mayr siehe: Karl Faußner & Robert Larsson-Folger: <Lemma> Mayr (Mayer), Anton, SJ, in: Laetitia Boehm, Winfried Müller, Wolfgang J. Smolka & Helmut Zedelmaier (edd.): "Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Teil I: Ingolstadt-Landshut 1472-1826", Berlin [Duncker & Humblot] 1998, cl. 259bs.
[19]          Man suche in Google books nach "rubius logica" und "rubius dialectica" (eingeschränkt auf die Jahre 1450-1750) und man wird reichlich fündig werden; weiteres kann die Suche nach "Rub." In Literaturangaben von Lehrbüchern, Kompendien, Forschungsliteratur der Logik aus dem 17. Und 18. Jahrhundert liefern.
[20]          Vgl. auch den "Epilog" des vorliegenden Bandes.


"